ESUG-Sanieren unter Insolvenzschutz

esug sanieren

Sanieren unter Insolvenzschutz wurde ab dem Jahr 2012 mit der Verabschiedung eines in Kraft getretenen Gesetzes: Erleichterung der Sanierung von Unternehmen Gesetz (kurz: ESUG) gefördert. Sanierungschancen sollten sich damit deutlich verbessern, Schuldner und Gläubiger in den Sanierungsprozess in gleichen Teilen einbezogen werden und das Insolvenzplanverfahren gefördert werden. Aktuelle Zahlen belegen, dass diese Chance mehr und mehr angenommen wird.

Großunternehmen wie Wöhrl, Beate Uhse oder SinnLeffers sind prominente Beispiele erfolgreicher Sanierungsfälle in Eigenverwaltung, aber auch viele kleinere Unternehmen ergreifen die Chance. So konnte der Marktführer, die Kanzlei Buchalik Brömmekamp seit 2012 mehr als 150 Sanierungsverfahren unter Insolvenzschutz erfolgreich begleiten.

1. Welche Voraussetzungen gelten für Ihre Insolvenzantragsstellung?

Die Voraussetzung für Ihre Sanierung unter Insolvenzschutz ist der INSOLVENZERÖFFNUNGSGRUND.

Die Insolvenzordnung sieht drei Insolvenzgründe vor:

  • Die DROHENDE ZAHLUNGSUNFÄHIGKEIT nach § 18 InsO
  • Die ZAHLUNGSUNFÄHIGKEIT nach § 17 InsO sowie
  • Die ÜBERSCHULDUNG nach § 19 InsO

Was bedeutet für Sie die Drei-Wochen-Frist (§15a Abs.1 Satz 1 InsO)?

Für die Organe einer juristischen Person oder GmbH & Co. KG besteht gemäß § 15a InsO die Pflicht zur Insolvenzantragsstellung „OHNE SCHULDHAFTES ZÖGERN, SPÄTESTENS ABER NACH DREI WOCHEN“ wenn die Zahlungsunfähigkeit oder die Überschuldung vorliegt. In diesem Zusammenhang erhalten Sie die Möglichkeit, mit Sanierungsversuchen den Insolvenzgrund nachhaltig verdrängen zu können. Ist eine Beseitigung des Insolvenzgrundes jedoch nicht zu erwarten, muss der Antrag UNVERZÜGLICH gestellt werden.

Was ein Insolvenzstatus für Sie leisten kann:

Für die Ermittlung der Insolvenzgründe sollten Sie die Erstellung eines BELASTBAREN Insolvenzstatus vornehmen. Er dient dazu, KLARE PRÜFUNGSERGEBNISSE hervorzubringen, Ihre Haftungsgründe bzgl. der Insolvenzverschleppung zu berücksichtigen und eine verfrühte oder unnötige Insolvenzantragsstellung zu vermeiden. Ein Sanierungsberater kann Ihnen einen Insolvenzstatus erstellen.

2. Der Ablauf Ihres Insolvenzplanverfahrens in Eigenverwaltung

Ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung kann in wenigen Monaten abgeschlossen werden. Der Erfolg des Verfahrens stützt sich mitunter auf Ihr belastbares Konzept, welches folgende Fragestellungen beantworten sollte:

  • Was sind Ihre Erkenntnisse über die Krisenursachen?
  • Ihr Sanierungsvorgehen: Wie wird sich das Unternehmen verändern?
  • Ihre Liquiditätsplanung / -bewältigung: Gesichert, mit oder ohne fremde Mittel?

Schritt zu Schritt


1.

ANTRAGSVORBEREITUNG

Vorbereitung des Insolvenzantrages

Dauer: 2 bis 6 Wochen


2.

VORLÄUFIGES Insolvenzverfahren

Beschluss über VORLÄUFIGES Insolvenz-verfahren sowie Einsetzen vorläufiger Gläubigerausschuss

Dauer: 2 bis 3 Monate

3.

ERÖFFNETES Insolvenzverfahren

Beschluss über ERÖFFNUNG Insolvenz-verfahren sowie EINSETZEN Gläubigerausschuss

Dauer: 3 bis 5 Monate

4.

PLANERFÜLLUNG

BESTÄTIGUNG Insolvenzplan & AUFHEBUNG Insolvenzverfahren

Dauer: Unmittelbar / wenige Monate


3. Die Chancen der operativen Sanierung durch Ihre Eigenverwaltung

Sanierung bedeutet Veränderung - Die Krise eines Unternehmens hat häufig vielfältigste Ursachen. Wie können nachhaltige Veränderungen angestoßen werden? Die Grundlage dieser Chance zur Neuausrichtung sollte ein belastbares Sanierungskonzept sein. Die Basis Ihres Konzeptes umfasst mehrere Fundamente:

LIQUIDITÄT: Die Liquiditätsanspannung ist häufiger Begleiter einer eingeleiteten Sanierung. In aller Regel benötigen Sie einen Liquiditätszufluss. 

Wie GENERIERE ich Liquidität?

A.

In den ersten Monaten des Verfahrens fallen in der Regel keine LOHN- UND GEHALTSZAHLUNGEN an. Die Bundesagentur für Arbeit kann Ihnen eine Insolvenzgeldvorfinanzierung ermöglichen.




B.

Weitere Hebel stellen MIET- UND LEASINGRATEN (Kündigungsfrist max. 3 Monate) dar oder UNGESICHERTE ALTFORDERUNGEN, die bis Antragsstellung entstanden sind und nicht zu Auszahlungen führen. Neuwaren werden Sie nur gegen Vorkasse erhalten, im Saldo werden Sie in aller Regel einen positiven Effekt spüren.



C.

FORDERUNGSVERZICHTE von ungesicherten Gläubigern, die meist erheblich ausfallen, helfen Ihnen Ihre Passivseite der Bilanz zu bereinigen und Ihre Eigenkapitalquote wesentlich zu verbessern.




D.

PERSONALABBAUMASSNAHMEN helfen Ihnen, Ihr Unternehmen der neuen Struktur anzupassen und schlanker sowie effizienter agieren zu können. Sie können im Insolvenzverfahren auf erleichterte Voraussetzungen im Kündigungsschutz und den Abfindungen zurückgreifen. Maximal 3 Monate Kündigungsfrist und im Rahmen eines Sozialplanes sind Abfindungen pro Mitarbeiter von max. 2,5 Monatsgehältern zu entrichten.  

E.

UMSATZSTEUER: Steuerverbindlichkeiten, die im Zeitraum zwischen Antragsstellung und Eröffnung de Verfahrens entstanden sind, stellen einfache Insolvenzforderungen dar und schonen Ihre Liquidität. 




4. Ihre Rolle als Geschäftsführung um eigenverwalteten Unternehmen

Sie nehmen in Ihrem eigenverwalteten Unternehmen eine DOPPELFUNKTION ein. Einerseits übernehmen Sie die Rolle eines (vorläufigen) Insolvenzverwalters und  andererseits agieren Sie als eigenverwalteter Unternehmer. Sie werden unterstützt durch den (VORLÄUFIGEN) SACHWALTER mit KONTROLL- UND ÜBERWACHUNGSFUNKTION.

Geschäftsführer

§ 270 Abs. 2 Satz 3

KONTROLLE und

ÜBERWACHUNG

Sachverwalter

(VORL.)

  • Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis
  • Sicherung der Masse und Fortführung des Unternehmens
  • Berichterstattung zur Lage und dessen Fortführbarkeit
  • Freigabe von Zahlungen
  • Wahlrecht zur Vertragsfortführung
  • Aus- und Absonderungsrechte (betrifft Forderungen, welche durch Sicherheiten belegt sind)
  • Keine Insolvenzmasseschädigenden Handlungen

ACHTUNG: HAFTUNGSRISIKEN

Unser Tipp: Ihre Haftungsrisiken als eigenverwalteter Geschäftsführer bei Nichtbeachtung Ihrer insolvenzrechtlichen Pflichten sind nicht zu unterschätzen. Suchen Sie sich daher frühzeitig die kompetente Beratung.

5. Was Sie über einen Insolvenzplan wissen sollten

Mit dem Insolvenzplan wird sichergestellt, dass der Rechtsträger bestehen bleibt und bisherige Gesellschafter die Möglichkeit zum Anteilserhalt bekommen. 

Die folgenden BESTANDTEILE sind in einem Insolvenzplan darzulegen:

  • Ihre STRATEGIE zur nachhaltigen Neuausrichtung des Unternehmens
  • Der Abbau der Planverbindlichkeiten durch das Angebot einer BEFRIEDIGUNGSQUOTE auf die angemeldeten Forderungen
  • Das LEITBILD: Hiermit beschreiben Sie die zukünftigen Geschäftsfelder nach erfolgter Sanierung, Ihre angestrebte Wettbewerbsposition, Ihre notwendigen Ressourcen und Ihre neue Unternehmenskultur.
  • Ihr MASSNAHMENPLAN zur Sanierung: Die Krisenursachen müssen durch ein stringentes Handeln sowie durch ein operatives Restrukturierungsmanagement umgesetzt werden.
  • Integrierte GUV-, BILANZ- und FINANZPLANUNG:  Ihre Gegenüberstellung von Liquidation, der übertragenden Sanierung und des Insolvenzplans auf Monatsebene sowie für das aktuelle Jahr und zwei Folgejahre.

Jetzt sind Sie am Zug...

Wir hoffen, dass Sie von unserem Artikel: ESUG-Sanieren unter Insolvenzschutz profitieren können und für Sie wichtige Fragestellungen beantwortet bekommen haben.

ESUG bietet Ihnen vielfältige Herausforderungen aber auch Chancen, Ihr Unternehmen zu erhalten und neu auszurichten.

Sind Sie bereit diese Herausforderung anzunehmen?

Dirk Eichelbaum

Rechtsanwalt, Geschäftsführer bei Buchalik Brömmekamp Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

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